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Journey of a studying mum – mein Erasmus+-Jahr in Bristol

Mit zwei Kindern im Ausland zu studieren – wie das (finanziell) möglich ist und was es bei der Planung und Durchführung eines Erasmus+ Aufenthalts mit Kindern zu beachten gibt, berichtet Elisabeth Herzog, Studentin im Bereich Elektronik, Elektrotechnik und Informationstechnik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

„Mein Traum von einem Erasmus+-Jahr an einer englischen Universität ist wahr geworden, trotz oder gerade aufgrund meiner zwei kleinen Kinder.
Ich studiere Elektronik, Elektrotechnik und Informationstechnik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und habe das Wintersemester 2022/23 und das Sommersemester 2023 an der University of Bristol (UoB), im Süd-Westen von England absolviert.
Dank einer finanziellen Zusatzförderung für Studierende mit Kindern, konnten meine zwei Kinder die „University Day Nursery“ (diese, in der Universität eingebundene Einrichtung, bietet eine Betreuung, für Kinder im Alter zwischen 3 Monaten und 5 Jahren) besuchen und ich mich auf mein Studium konzentrieren.
Rückblickend möchte ich jeder Familie Mut machen, einen Auslandsaufenthalt zu wagen und hoffe, dass meine Erfahrungen Studierenden die einen Auslandsaufenthalt mit Erasmus+ planen, bei der Vorbereitung hilfreich sind.

Planung/Vorbereitung

Als ich mit der Planung meines Erasmus+-Jahres begonnen habe, war mein jüngeres Kind gerade ein halbes Jahr alt. Für mich stand Großbritannien als Wunschland fest und somit auch die möglichen Partneruniversitäten von Nürnberg, in Bristol oder Glasgow. Das Erasmus+-Stipendium war für mich die Chance auch mit zwei kleinen Kindern mein Studium an einer ausländischen Uni fortzusetzen. Die wichtigsten Punkte der Planung waren das Visum, das nötige Sprachniveau, die Unterkunft, die Kindertagesbetreuung, die Kurswahl, die Krankenversicherung und natürlich die Finanzierung.

Elisabeth Herzog 1
©Elisabeth Herzog privat

Unterkunft

Die UoB stellt Unterkünfte, auch Familienunterkünfte für Studierende zur Verfügung, auf die man sich bewerben kann. Allerdings für Erasmus+-Studierende ohne Garantie eine davon zu erhalten. Eine Zu- oder Absage wird erst wenige Wochen vor Semesterbeginn erteilt. Leider habe ich eine Absage erhalten und musste privat eine Unterkunft finden. Hier kann ich nur allen Familien raten, wenn möglich, eine Unterkunft nah zur Uni zu nehmen. Die Wohnungssuche in Bristol ist nicht einfach, viele Vermieter erwarten eine Vor-Ort-Besichtigung. Wir haben sehr schön gewohnt, mit sehr netten Nachbarn, allerdings war der Weg zur Universität als auch zur Kindertagesbetreuung sehr aufwändig.

Betreuung im Kindergarten

Die „University Day Nursery“ in Bristol kann ich wärmstens empfehlen. Ich hatte mir viele Sorgen gemacht, da für meine Kinder mit dem Umzug nach Bristol alles neu war: Die Umgebung, die Bezugspersonen, die anderen Kinder und die Sprache. Aber Dank der familiären Atmosphäre in der Kindertagesstätte, haben sie sehr schnell Anschluss gefunden und die neue Sprache erlernt. Auch viele andere Kinder waren mit ihren Eltern aus dem Ausland nach Bristol gezogen und wir konnten sehr nette Kontakte knüpfen. Die Ausflüge in die umliegenden Parks mit ihren neuen Freunden haben meinen Kindern besonders gut gefallen. Ein weiterer Pluspunkt der Kinderbetreuung: Es wird vor Ort frischgekocht und mit Frühstück, Mittagessen und Nachmittagssnack waren die Kinder gut versorgt.

Die University of Bristol (UoB)

Die UoB wird als eine der zehn besten Universitäten in Großbritannien geführt und ich bin sehr glücklich, dass ich zwei Semester an dieser großartigen Universität studieren durfte. Die Vorlesungen sind sehr kurzweilig gestaltet, es gibt viel Material zur Vor- und Nachbereitung, bieten Fragestunden mit Dozenten oder Studierenden aus höheren Semestern einen gelungenen Austausch. Zur Klausurvorbereitung gibt sogenannten „Interim Tests“ und gut geleitete Praktika. Einen Stundenplan bekommt man erstellt und auch zu den Prüfungen ist man automatisch angemeldet. Es wird eine hohe Leistungsbereitschaft erwartet, aber gleichzeitig werden die Studierenden auch sehr gut angeleitet. Besonders gefallen hat mir ein Seminar speziell für Austauschstudierende zu Präsentationstechniken und ein Projekt in Teamarbeit, in der wir über ein Semester eine Sensorsteuerung designen, programmieren und aufbauen durften.

Das Administrationsteam meiner Fakultät an der UoB konnte mir bei allen Fragen weiterhelfen. Beispielsweise bei Stundenplanänderungen, oder einmal wurde mir ein Arbeitsplatz für eine Klausur in einem Gebäude nah der Kita organisiert, während meine Kommilitonen in einem Gebäude etwas außerhalb, die Klausur geschrieben haben.

Außerdem gibt es die Global lounge der UoB, dort werden Events wie Campus- oder Stadtführungen, Sprachcafés und Kreativ-Workshops für ausländische Studierende ermöglicht. Auch das Team der Global Lounge ist bei Fragen sehr hilfsbereit.

Die UoB verfügt über sehr schöne Aufenthaltsräume wie Cafés oder ein großes Wohnzimmer für Studierende, mit Sofas, Tischen, Teeküche, Kicker, Spielen etc., teilweise wunderschöne alte Gebäude, Bibliotheken, moderne Computerräume und gut ausgestattete Labore, die man auch für eigene Projekte nutzen darf. Malerische Gärten in unmittelbarer Nähe, bieten ideale Möglichkeiten, um spazieren zu gehen, sich auszuruhen oder für ein Picknick.

Unser Alltag in Bristol

Die Bringzeit in der Kindertagesstätte ist von 8:30 bis 9:15 Uhr. Morgens haben wir unser Haus um 7:15 Uhr verlassen, anschließend folgten zehn Minuten Fußweg zur Bushaltestelle und gute 30 Minuten Fahrt ins Zentrum. Von dort ging es entweder mit dem nächsten Bus zur Kindertagesbetreuung und zur Universität oder zu Fuß, steil bergauf. Im ersten Semester hatte ich immer freitags um 9:00 Uhr ein Seminar, in einem Gebäude gut zehn Minuten von der „University Day Nursery“ entfernt. Zum Glück hatte die Dozentin Verständnis dafür, dass ich nicht immer pünktlich war. Meinen Arbeitstag konnte ich mir dann frei einteilen, bis ich die Kinder um ca. 17:00 Uhr wieder abgeholt habe. Für die Kleinen musste ich nur Snacks für den Hin- und Rückweg mitnehmen, ansonsten waren sie in der Tagesbetreuung gut versorgt. Für mich habe ich meistens Essen vorgekocht und mitgenommen, denn an der UoB gibt es keine Mensa.
Da die Busse teilweise nur sehr unzuverlässig fuhren, waren wir es gewohnt lange an Haltestellen zu warten, oft im Dunkeln und bei Regen. Der Weg von der Bushaltestelle nach Hause war hübsch am Fluss gelegen, allerdings nicht beleuchtet.
Generell gibt es in Bristol viele verschlungene, steile Pfade durch kleine Waldstücke welche im Sommer sehr schön, im Winter jedoch kaum passierbar sind.
Die Wochenenden nutzten wir zum Einkaufen und zum Entdecken der Stadt. Denn: Bristol hat wirklich viel zu bieten! Dafür erwähnt sind die wunderschönen Parks mit alten Bäumen, Ententeichen, Spielplätzen, Skaterparks oder die aufwendig gestalteten Museen, Street Art, der Hafen und sogar das Meer ist nicht weit.

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©Elisabeth Herzog privat

Besondere Erlebnisse

Kein Tag war wie der andere. Mit zwei kleinen Kindern kommt man fast immer ins Gespräch mit anderen Fahrgästen oder Passanten. Mit einer Familie fuhren wir öfter im selben Bus und tauschten zum Beispiel Bücher untereinander aus. Eine Erzieherin wohnte bei uns in der Nähe, es war immer ein Highlight für meine Kinder, wenn wir denselben Bus nahmen. Immer wieder bat ich andere Fahrgäste, mein jüngeres Kind kurz zu halten, damit ich mich um das andere Kind kümmern konnte. Gerade wenn beide eingeschlafen waren brauchte ich oft Hilfe beim Aussteigen. Und als es einmal meinem älteren Kind nicht gut ging, begleitete mich sogar ein Paar bis nach Hause und trug mein jüngeres Kind, damit ich das ältere Kind tragen konnte. Diese Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft von fremden Leuten werde ich wohl immer in Erinnerung behalten.
Nicht vergessen werde ich auch die Momente in der Notaufnahme im Kinderkrankenhaus, zum Glück konnte alles ambulant behandelt werden. Oder wie es war, krank mit beiden Kindern zu Hause zu sein und zu erfahren, wie wertvoll Nachbarn sind. Ich musste lernen mit dem Frust umzugehen, als ich eine Klausur aus gesundheitlichen Gründen nicht mitschreiben konnte und somit der Kurs über ein gesamtes Jahr nicht bewertet werden konnte.

Erinnerungen die bleiben

Besonders werde ich mich allerdings an die schönen Momente meiner Kinder erinnern. Meine Tochter hat in England Laufen gelernt, mein Sohn Fahrrad zu fahren.
Wir waren auf Kindergeburtstage eingeladen und haben uns wöchentlich mit den Familien aus der Nachbarschaft verabredet. Die Gespräche mit den anderen Eltern von der Kindertagesstätte, Picknicks mit anderen Studierenden, das gemeinsame Lernen, die gemeinsamen Pausen und ein glamouröser Ball, der von den „Engineering Societies“ organisiert wurde – an all diese Erfahrungen werde ich mich noch lange erinnern.

Fazit

Unser Alltag war definitiv aufwändiger als zu Hause, aber auch aufregender. Wieder zu Hause weiß ich die ebenen Wege und Fahrradwege zu schätzen. Ich möchte meine Erfahrungen nicht missen und bin dankbar für die vielen Begegnungen. Seit meinen zwei Semestern im Ausland bin ich selbstbewusster und offener für Neues und für andere Menschen geworden. Meine Kinder sind sehr kontaktfreudig. Auch wenn die vielen Eindrücke nicht immer leicht zu verarbeiten für sie waren, haben auch sie viel Wertvolles aus unserer Zeit in Bristol mitgenommen. Ich hoffe wir können manche Freundschaften weiterführen. Hilfreich für mich ist, dass ich mein Englisch aufbessern konnte. Gerade im technischen Bereich ist das eine Bereicherung, zumal ich eine neue Programmiersprache erlernte, die Grundlagen der Elektrotechnik vertiefen und in den Praktika viel ausprobieren durfte.
In dem vergangenen Jahr habe ich meine Komfortzone verlassen, den Blick auf das Wesentliche gelenkt, gelernt wie wichtig meine Mitmenschen für mich sind, mein Zeitmanagement optimiert, meine eigenen Erwartungen angepasst und Gelassenheit trainiert. Ich bin sehr dankbar für unsere Zeit in Bristol und auch stolz darauf, es gemeinsam mit meinen Kindern umgesetzt zu haben.“

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