Wolfgang Kill

Referent Wissenschaft/Forschung/Kultur, Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel

Infos zum Erasmus-Aufenthalt

  • Jahr: 1989
    Art: Studium
    Zielland: Niederlande, Rotterdam
    Fachrichtung: Verwaltungswissenschaften
    Deutsche Hochschule: Universität Konstanz

Die Erasmus-Erfahrungen haben mir noch 2014 die Entscheidung erleichtert, für Sachsen nach Brüssel zu gehen.

Wie verlief Ihr Weg zum Sachsen-Verbindungsbüro in Brüssel?

Mein Weg nach Brüssel verlief über die Landesverwaltung Sachsens, in die ich Ende 1994 eingetreten bin. Zunächst war ich im Sozialressort mit einem Abstecher zum Innenministerium. Seit 2009 gehöre ich zum Wissenschaftsministerium; erst im Leitungsstab mit der Aufgabe der Bund-Länder-Beziehungen und seit 2015 als Vertreter des Ressorts im Sachsen-Verbindungsbüro Brüssel.

Inwiefern hat Ihre Erasmus-Erfahrung diesen Weg geprägt?

Der Erasmus-Aufenthaltes hat den Sprung von Dresden nach Brüssel natürlich erleichtert. Mein Dienstherr wusste aus der Personalakte davon und für mich war auch noch 2015 die Erfahrung aus Rotterdam so präsent, dass das Leben in Brüssel nicht zum Kulturschock geriet. Dass ich in den Niederlanden trotz der Vorlesungen in Englisch ein ganz passables Niederländisch gelernt habe, erleichtert mir das Leben hier in Belgien ganz ungemein. Dazu saßen wir damals mit Studierenden aus sechs europäischen Staaten und den USA zusammen in Vorlesung und Seminar. Diese europäisch/internationale Mischung war in etwa das, was mir heute auch täglich bei Veranstaltungen hier in Brüssel begegnet.

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit als Referent für Wissenschaft/Forschung/Kultur?

Ich vertrete das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hier in Brüssel, bin also für die Bereiche Wissenschaft, Forschung und Kultur zuständig. Dazu gehören neben den Programmen Horizont 2020 und Kreatives Europa für den Forschungs- bzw. den Kulturbereich auch der Hochschulteil von Erasmus+.

Die täglichen europäischen Eindrücke, die man – auch wenn sie so manches Klischee, das man mitbringt, bestätigen – als Landesbediensteter in Deutschland sicher so nie gewinnen könnte. Darüber hinaus ist die Tätigkeit, bei allem Stress und allen Abendterminen, gemessen an der sonstigen Landesverwaltung doch sehr selbstbestimmt. Und was Europa angeht, so leben wir ja in durchaus spannenden Zeiten.

Haben Sie das Gefühl, dass sich die Erasmus-Aufenthalte von Studierenden mit den Jahren geändert haben?

Ich gehörte zum ersten Jahrgang derjenigen, die das Programm genutzt haben. Ich musste damals erstmal im Lexikon nachschauen, was Erasmus bedeutet und dass es sich passenderweise auf Erasmus von Rotterdam bezog. Heute ist das Erasmus-Programm, vor allem im Hochschulbereich, eine etablierte Marke. Das Zweite ist die Auswahl der Studienorte. Bei meiner Antragstellung 1988 standen neben Rotterdam immerhin noch Bologna und Arhus zur Wahl, jedoch nichts im Vergleich zur Zahl der teilnehmenden Hochschulen am Programm heute. Seinerzeit waren wir noch echte Exoten, heute muss man sich ggf. fragen lassen, warum man denn kein Erasmus gemacht hat. Was aber auch 1989 schon gut funktionierte, war die Betreuung vor Ort und ich darf sagen, dass es seitens der Universität Konstanz nach der Rückkehr keine Probleme mit der Anerkennung der in Rotterdam gemachten „Scheine“ gab.

Was können Sie in Ihrer heutigen beruflichen und privaten Situation für Europa und für das Erasmus-Programm tun?

Irgendwie lustig ist natürlich, dass zumindest der Hochschulbereich von Erasmus+ heute zu meinen Aufgaben gehört. Als Vertreter eines Landes bin ich derzeit auch in die Zwischenevaluierung des Programms und später auch in die Vorbereitungen für die Zeit ab 2021 mit eingebunden. Also an mir wird es sicher nicht scheitern, Erasmus+ auch in Zukunft einen wichtigen Platz im Haushalt der EU einzuräumen.