Skyline von Istanbul.
13. April 2026 Lesezeit: 10 Minuten

Byzanz, Konstantinopel, Istanbul – Theorie hautnah erleben als Staats- und Religionswissenschafts-Studentin in Istanbul

Ein halbes Jahr an der İstanbul Bilgi Üniversitesi bietet die Möglichkeit, internationale Beziehungen, Religion und Politik aus einer neuen Perspektive kennenzulernen. Welche Herausforderungen und Erfahrungen Helen Weiller in Istanbul während ihres Erasmus+ Aufenthalts begegnet sind, lesen Sie hier.

Ich heiße Helen, studiere im 5. Semester Staats- und Religionswissenschaften an der Universität Erfurt und habe ein halbes Jahr an der İstanbul Bilgi Üniversitesi verbracht. Dort habe ich Module im Bereich der Internationalen Beziehungen belegt, wie zum Beispiel „Middle East History“, „Environmental Politics“ oder „Issues in Migration Studies“.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen für das Auslandssemester begannen offiziell im Oktober 2024, mit der ersten universitären Informationsveranstaltung zum Erasmus+ Programm an meiner Heimatuniversität. Bereits zuvor hatte ich mich intensiv mit den verschiedenen Partneruniversitäten auseinandergesetzt. Aufgrund meines Studienfachs lag es nah, nach Istanbul zu gehen, um einen neuen Zugang zu meinen Schwerpunkten, dem Orthodoxen Christentum und dem Islam, zu gewinnen.

Das Bewerbungsverfahren verlief unkompliziert, so dass ich nach verschiedenen Englisch-Prüfungen, dem Verfassen eines Motivationsschreiben und der Aktualisierung meines Lebenslaufs, im März 2025 die Zusage der Universität Erfurt erhalten habe. Anschließend musste ich mich informell noch einmal bei meiner Gastuniversität in Istanbul bewerben, bei der ich im Juni offiziell angenommen wurde.

Finanzielle Förderung

Wichtig in der Vorbereitung ist, sich frühzeitig mit den Finanzen auseinanderzusetzen und eine realistische Kostenaufstellung zu erstellen, damit man im Auslandssemester keine bösen Überraschungen erlebt.

Wichtig hierbei ist zu beachten, dass man lediglich 70% des Gesamtbetrags für Erasmus+ vor dem Aufenthalt bekommt. Den Rest erhält man erst nach Abschluss des Semesters. Gegebenenfalls muss man also Rücklagen haben, auf die man zeitweise zurückgreifen kann.

Istanbul ist, anders als viele Leute weiterhin annehmen, eine verhältnismäßig teure Stadt, wodurch der Aufstockungsbetrag mir ermöglicht hat, frei meinen Standtort für das Auslandssemester zu wählen. Zudem musste ich weniger Überzeugungsarbeit bei meiner Familie leisten, weil die finanzielle Last dadurch gering war.

Fachliches & Persönliches Wachstum

Das Auslandssemester bot mir die Möglichkeit, theoretisch erlangtes Wissen praktisch zu erleben und gleichzeitig viele Freundschaften mit Türk:innen und anderen internationalen Studierenden zu knüpfen. Gerade der Austausch mit Türk:innen und nicht nur anderen Erasmus Studierenden hat meine Perspektiven erweitert. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kulturen, der Politik und des Heranwachsens zu entdecken, gemeinsam Tee zu trinken, zu lachen oder sich über den Uni-Stress auszutauschen, hat mir die Türkei nähergebracht als es jeder Urlaub gekonnt hätte.

Fazit

Sich in einer Stadt neu zurechtzufinden, auf Englisch zu studieren und sich einem anderen Uni-System zu öffnen, war zwar teilweise herausfordernd, jedoch haben genau diese Erfahrungen persönliches Wachstum ermöglicht und Perspektiven erweitert. Das Auslandssemester war für mich eine sehr große Bereicherung, sowohl akademisch, persönlich als auch für meinen weiteren beruflichen Weg. Ich kann jeder Person nur empfehlen, sich dieser Herausforderung zu stellen.