Vorbereitungsreise nach Oslo – Barrierefreiheit vor Ort prüfen
Roman Kregeloh reist noch vor Beginn seines Auslandsstudiums für fünf Tage nach Oslo, um Hochschule, Wohnung und Stadt auf ihre Tauglichkeit mit elektrischem Rollstuhl zu testen. In seinem Bericht beschreibt er, wie gut diese Vorabprüfung der Rahmenbedingungen funktioniert hat, welche Erfahrungen er dabei gemacht hat und was er bei dem anschließenden Erasmus+ Studienaufenthalt berücksichtigen wird.
Erste Eindrücke von Oslo
Ich konnte mir von Montag bis Freitag Oslo, den Ort meines baldigen Auslandsstudiums, kennenlernen. Das war eine große Gelegenheit, ersten Kontakt zur Hochschule Kristiania, School of Arts, Design, and Media, sowie die Unterkunft für das Semester zu besichtigen. Aufgrund diverser Urlaubserfahrungen in anderen Ländern hatte ich befürchtet, dass ich mit meinem elektrischen Rollstuhl nicht alle wichtigen Einrichtungen mühelos erreichen kann. Aber das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.
Hochschule und Studiengang
Das Hochschul-Gebäude der School of Arts, Design, and Media, ist noch relativ neu und perfekt für Rollstuhlfahrer konzipiert. Der Lehrer, den ich treffen durfte, hat mir einen guten Überblick über das Gebäude und den neuen Studiengang verschafft.
Ich werde allerdings bei der Auswahl der Projektgruppe darauf achten, nicht in einem Arbeitsbereich zu sein, der aufwendige Exkursionen beinhaltet. Jedenfalls bin ich schon sehr gespannt, wie ich dort zurechtkommen werde. Die Unterrichtssprache wird Englisch sein, was für mich perfekt ist.
Wohnen und Alltag
Es hat sich sehr gut getroffen, dass das Apartmenthaus, das ich mit einem regelmäßig wechselnden Assistenten bewohnen werde, in unmittelbarer Umgebung zur Hochschule liegt. Ich kann mir somit einige lange Fahrten ersparen und eventuell auch mal in Pausen mich dort ausruhen, falls es doch mal anstrengend für mich wird. Das Apartment hat eine kleine Kochinsel im Wohnzimmer und ein Bad, das groß genug ist für meinen Rollstuhl und einen Patientenlifter, den wir ausleihen und mitnehmen werden.
Mobilität und gesundheitliche Versorgung
Oslo ist eine schöne Stadt mit vielen Geschäften, Cafés etc., die mit dem Rollstuhl meistens zugänglich sind. Manche Straßenbahnen können aber nicht an allen Stationen genutzt werden. Da brauche ich noch etwas Erfahrung, um zu sehen, welche Stationen für mich in Frage kommen. Es fahren auch Busse und es gibt eine U-Bahn, so dass ich insgesamt aber zuversichtlich bin, was den ÖVNV betrifft.
Wir haben auch ein Ärztehaus im Zentrum ausfindig gemacht, wo ich bei Bedarf hingehen könnte.
Anreise und Erfahrungen mit Flug und Zug
Die Ankunft mit dem Flugzeug war etwas abenteuerlich, da die Flughäfen mit dem schweren elektrischen Rollstuhl oft überfordert sind. Wir mussten nach der Landung jeweils 1-2 Stunden auf meinen Rollstuhl warten. Jedenfalls habe ich gelernt, dass er unbedingt als Sperrgepäck aufgegeben werden muss, damit er im Flugzeug schneller und sicherer transportiert wird. Die Zugfahrten zwischen Flughafen Oslo und Zentrum verliefen perfekt: Die Züge haben alle einen automatischen Lifter, der von extrem freundlichen Zugbegleitern bedient wird. Überhaupt ist uns die große Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Norweger aufgefallen.
Stadt, Kultur und Freizeit
Ich konnte auch einiges von der Stadt sehen. Die Hafengegend mit dem Blick auf die Fjorde ist wunderschön. Abends haben wir das moderne Munch-Museum besucht (mittwochs ab 18 Uhr kostenlos).
Die Lebensmittelpreise waren wie erwartet hoch, doch immerhin ist in der Nähe meines Apartments ein relativ günstiger Supermarkt. Ich bin gespannt, wie Oslo im Winter ist, wenn es lange dunkel und kalt ist. Aber ich freue mich jetzt riesig auf das neue Kapitel.