16. Juni 2026 Lesezeit: 22 Minuten

TCA "The Erasmus+ Generation for the Earth" in Rom, Italien, 16.-17.04.2026

Zur TCA Veranstaltung “The Erasmus+ Generation for the Earth” in Rom am 16. und 17. April 2026 haben wir diesmal zwei Erfahrungsberichte der Teilnehmenden bekommen. Die Veranstaltung verfolgte unter anderem das Ziel, das Bewusstsein für die Klima- und Umweltkrise zu stärken, Studierende über europäische und Erasmus+-Angebote zur Bewältigung dieser Krisen zu informieren, multidisziplinäre Ansätze auszubauen, Synergien zwischen verschiedenen Fachrichtungen zu unterstützen und den Aufbau internationaler Netzwerke sowie Verbindungen zwischen Studierenden zu fördern.

Impressionen der TCA

Vom 16. bis 17. April 2026 hatten wir die Möglichkeit, an der TCA “The Erasmus+ Generation for the Earth” in Rom teilzunehmen. Die internationale Veranstaltung fand auf der Terrazza del Pincio in der Villa Borghese statt und brachte über 150 Teilnehmende aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen. Im Mittelpunkt standen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und die Frage, welche Rolle Erasmus+ bei der grünen Transformation Europas einnehmen  kann.

Meine Gruppe setzte sich aus engagierten Studierenden aus Deutschland, Finnland und Belgien zusammen. Vertreten waren unter anderem die Lokale Erasmus+ Initiative (LEI), das Erasmus Student Network (ESN) sowie weitere Erasmus+ interessierte Studierende. Dadurch entstand bereits vor Beginn der offiziellen Programmpunkte ein vielseitiger Austausch mit unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen.

Anreise und erste Eindrücke

Die Anreise nach Rom machte bereits deutlich, wie komplex das Thema Nachhaltigkeit in der Praxis sein kann. Für einige Teilnehmende wäre die Anreise mit dem Zug zwar die umweltfreundlichere Option gewesen. Gleichzeitig waren Flugverbindungen je nach Abfahrtsort deutlich günstiger und zeitlich einfacher zu organisieren. Dadurch wurde schon die Reise selbst zu einem ersten Beispiel für die Abwägung zwischen Nachhaltigkeit, Kosten und praktischer Umsetzbarkeit.

Nach der Ankunft in Rom blieb vor Beginn des offiziellen Programms noch Zeit, erste Eindrücke der Stadt zu sammeln. Besonders die Atmosphäre der Stadt, die historischen Gebäude und das lebendige Umfeld machten den Einstieg in die Reise sehr positiv. Bereits am Vorabend der TCA trafen sich einige Teilnehmende zu einem gemeinsamen Abendessen. Dieses informelle Kennenlernen war ein schöner Start in die Veranstaltung und erleichterte den Austausch am nächsten Tag.

Erster Konferenztag: Eröffnung, fachlicher Input und Climate Fresk

Der erste offizielle Konferenztag begann mit der Registrierung und einem Welcome Coffee. Anschließend folgte die feierliche Eröffnung der Veranstaltung, moderiert von Lorenzo Colantoni. Die Terrazza del Pincio bot dafür eine besondere Kulisse mit einem beeindruckenden Blick über Rom und schuf eine inspirierende Atmosphäre für den Beginn der Konferenz.

Im Rahmen der Eröffnung kamen verschiedene institutionelle Vertreterinnen und Vertreter zu Wort. Dazu gehörten unter anderem Edoardo Zanchini vom Climate Mission Office der Stadt Rom, Albert Sesé Ballart von der Europäischen Kommission, Lavinia Monti vom italienischen Ministerium für Universität und Forschung, Sara Pagliai von der Nationalen Erasmus+ Agentur INDIRE, Kathleen Rogers vom Earth Day Network, Gilberto Pichetto Fratin vom italienischen Umweltministerium und Marine Christmann vom SALTO Green Resource Centre. Die Beiträge zeigten, wie viele unterschiedliche Akteure auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene an Nachhaltigkeit, Bildung und grüner Transformation beteiligt sind.

In der zweiten Sitzung standen fachliche Impulse und der Austausch mit dem Publikum im Mittelpunkt. Besonders eindrucksvoll waren die Beiträge von Enrico Giovannini von der Italian Alliance for Sustainable Development und Filippo Giorgi, IPCC-Klimatologe und Friedensnobelpreisträger. Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge von Lorna Gold, Expertin für integrale Ökologie, Mariangela Cardone von garagErasmus und ScambiEuropei sowie Marco Buscemi von Climate Fresk. Die Vorträge machten deutlich, wie dringend und zugleich vielschichtig die Herausforderungen im Bereich Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung sind.

Am Nachmittag nahmen die Teilnehmenden am Climate Fresk Workshop teil. In mehreren parallelen Arbeitsgruppen setzten wir uns mit den Ursachen und Folgen des Klimawandels auseinander. Mithilfe von Karten wurden Zusammenhänge zwischen verschiedenen Faktoren sichtbar gemacht, diskutiert und in eine gemeinsame Struktur gebracht. Die Methode war sehr interaktiv und verdeutlichte, wie eng ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sind.

Der Workshop erforderte Teamarbeit, kritisches Denken und intensive Diskussionen innerhalb der Gruppen. Gleichzeitig zeigte er, wie hilfreich interaktive Formate sein können, um komplexe Themen verständlicher zu machen. Am Abend endete der erste Konferenztag mit einem Networking Aperitif und einem DJ Set. Dadurch entstand eine lockere Atmosphäre, in der die Teilnehmenden die Gespräche des Tages fortsetzen und neue Kontakte knüpfen konnten. Besonders dieser informelle Austausch war wertvoll, da er Begegnungen über Länder- und Hochschulgrenzen hinweg ermöglichte.

Zweiter Konferenztag: Manifesto der Erasmus+ Generation for the Earth

Der zweite Tag stand im Zeichen des “Manifesto of the Erasmus+ Generation for the Earth”. Nach der Registrierung und dem Welcome Coffee wurde das Thema durch Roberto Gualtieri, Bürgermeister von Rom und Enrico Giovannini von der Italian Alliance for Sustainable Development eingeführt. Anschließend wurden die Teilnehmenden in Arbeitsgruppen eingeteilt.

In diesen Arbeitsgruppen ging es darum, Ideen und konkrete Vorschläge für eine nachhaltigere und inklusivere Zukunft von Erasmus+ zu entwickeln. Die Diskussionen beschäftigten sich unter anderem mit lokaler Beteiligung, digitaler Partizipation, Inklusion und der Weiterentwicklung von Erasmus+. Ziel war es, gemeinsam zu überlegen, wie junge Menschen stärker eingebunden werden können und wie internationale Mobilität nachhaltiger gestaltet werden kann. Dabei kamen viele unterschiedliche Perspektiven aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen.

Besonders wertvoll war, dass die Teilnehmenden nicht nur Zuhörende waren, sondern aktiv an der Entwicklung des Manifests mitwirken konnten. Die Gruppenarbeit zeigte, wie wichtig Beteiligung und Austausch sind, wenn europäische Programme weiterentwickelt werden sollen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit nicht nur als ökologisches Thema verstanden werden sollte, sondern auch Soziale Teilhabe, Chancengleichheit und europäische Zusammenarbeit umfasst.

Im weiteren Verlauf des Tages wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zusammengeführt, präsentiert und zur Abstimmung gestellt. Dadurch wurde sichtbar, wie aus vielen einzelnen Ideen ein gemeinsames Ergebnis entstehen kann. Zum Abschluss folgte ein Beitrag des Filmregisseurs Ferzan Ozpetek sowie ein Ausblick auf die nächsten Schritte in Richtung COP 31. Dieser Abschluss gab der Veranstaltung eine reflektierende und inspirierende Note.

Persönliche Eindrücke und Fazit

Die TCA “The Erasmus+ Generation for the Earth” war eine sehr bereichernde Erfahrung. Besonders eindrucksvoll war die Verbindung aus fachlichem Input, interaktiven Workshops, internationalem Austausch und gemeinsamer Arbeit an einem zukunftsorientierten Thema. Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig es ist, junge Menschen aktiv in Diskussionen über Nachhaltigkeit und europäische Zusammenarbeit einzubeziehen.

Neben dem offiziellen Programm waren auch die informellen Begegnungen ein wichtiger Teil der Erfahrung. Gemeinsame Abendessen, Gespräche außerhalb der Konferenz und das Erkunden der Stadt machten die Veranstaltung nicht nur fachlich, sondern auch persönlich und interkulturell wertvoll. Gerade diese Momente trugen dazu bei, neue Kontakte zu knüpfen und Erasmus+ als lebendiges europäisches Netzwerk zu erleben.

Insgesamt bot die TCA einen inspirierenden Rahmen, um über Nachhaltigkeit, Teilhabe und die Zukunft von Erasmus+ nachzudenken. Sie machte deutlich, dass europäischer Austausch nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Verbindungen schafft und dazu beitragen kann, gemeinsame Lösungen für zukünftige Herausforderungen zu entwickeln.

Jenny Gia Ling Nguyen, Leander Uka und Florian Kröner

Tafel zur TCA

Das „Erasmus+ Generation for the Earth”-Event war eine sehr positive Erfahrung und es war sehr schön, dabei sein zu können. Es waren laut Angaben der italienischen National Agency 135 Teilnehmende aus 21 Ländern vertreten.

Tag 1 – Input und Climate Fresk Workshop

Der Vormittag des ersten Tages war mit Vorträgen gefüllt, unter anderem von Vertretern der italienischen Politik wie dem italienischen Umweltminister und von Vertretern des Erasmus-Programms.

Inhaltlich haben sich die Vorträge teilweise mit den Schnittstellen zwischen Nachhaltigkeit und Erasmus befasst, wie der Vortrag von Albert Sese (Team Leader für Erasmus+ at European Commission), der über die Rolle von Nachhaltigkeit im nächsten Erasmus-Programm gesprochen hat und von Mariangela Cardone, die ebenfalls über die Überschneidungen zwischen Green Skills und Erasmus Skills gesprochen hat. Klimawissenschaftler Filippo Giorgi hat die wissenschaftlichen Hintergründe präsentiert und verdeutlicht, warum es so wichtig ist, entschlossen zu handeln.Mit eindringlichen Botschaften hat er uns über dramatische Auswirkungen der Klimakrise unterrichtet. Auch wenn da für uns
als Gruppe an sich keine großen Neuigkeiten dabei waren, so war es doch wieder eindrücklich diese Analysen direkt von einem anerkannten Forscher zu hören. Zum Abschluss seines eher mahnenden Vortrags richtete er jedoch auch noch einige Mut stiftende Worte an uns. Die Hauptbotschaft des gesamten Vormittags war, dass der Input von jungen Leuten einen wertvollen Beitrag leistet und es wichtig ist, sich einzusetzen.

Am Nachmittag haben wir in kleineren Gruppen den Workshop „Climate Fresk“ gemacht, bei dem man globale Zusammenhänge von menschlichen Aktivitäten über Gletscherschmelze und Ozeanversauerung bis hin zu Überschwemmungen und Konflikten in Ursache-Wirkung-Zusammenhänge bringen sollte. Schritt für Schritt haben wir so die Umweltprobleme der Welt visualisiert, bis wir ein großes “Fresko” hatten.

Tag 2 – Verfassen des Manifesto

Am zweiten Tag ging es dann um die Ausarbeitung unserer konkreten eigenen Ideen für das „Manifesto“, das bei der Europäischen Kommission und der Klimakonferenz COP31 eingereicht wird. Der Tag begann zunächst wieder damit, dass wir einigen Redebeiträgen lauschten. Unter anderem der Bürgermeister Roms sprach zu uns. Wir hatten uns im Vorfeld nicht im Detail mit den Speakern befasst und waren deshalb positiv überrascht von der Aufmerksamkeit, die wir von den hochrangigen Vertretern diverser Institutionen erhalten haben. Nach diesem Block haben wir in neu zusammengewürfelten Gruppen Ideen gesammelt, wie die Zukunft aussehen könnte und dann die Ideen, die am meisten Zustimmung gefunden haben, konkreter ausgearbeitet. Inhaltlich haben sich unsere Vorschläge mit sehr diversen Themen befasst, von öffentlichen Verkehrsmitteln, erneuerbaren Energien, grünen und autofreien Innenstädten über soziale Medien bis hin zu Frieden und Bildung. Aus unseren Notizen haben die Moderatoren und Moderatorinnen der Gruppen die Ideen zusammengetragen. Dieses gesammelte Dokument wird nun von ihnen weiter ausformuliert und schließlich an die Europäische Kommission und die UN-Klimakonferenz COP31 weitergeleitet.

Angeleitetes Brainstorming für Ideen wie wir uns Europa in der Zukunft vorstellen

Insgesamt sind wir in diesen zwei Tagen einen Weg zwischen Hoffnung und Ärger sowie zwischen Hilflosigkeit und Einsatz gegangen. Der Austausch mit den anderen Teilnehmern während der Gruppenarbeiten bleibt uns in sehr positiver Erinnerung. Dafür hätten wir uns noch etwas mehr Zeit gewünscht, fühlten uns aber gleichzeitig durch die vielen prominenten Redebeiträge auch sehr wertgeschätzt. Für die Zukunft erhoffen wir uns, dass unsere Ideen nicht ungehört bleiben und wir alle gemeinsam an einem Europa arbeiten können, das sowohl unsere Träume als auch die der kommenden Generationen erfüllt.

Jana Meyer zu Hörste, Linda Ruchti, Lukas Willi Weidemann