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Erasmus+DIGITAL

Sachstand: Digitalisierung des Erasmus+ Programms

Die Digitalisierung des Erasmus+ Programms ist eines der großen Themen für die Zukunft der europäischen Hochschulzusammenarbeit. Und sie ist in Teilen bereits Realität. Zahlreiche digitale Aktivitäten werden zurzeit getestet, um ab 2021 für das gesamte Erasmus+ Programm angewandt zu werden.

Die European Student Card und Erasmus Without Paper sind die wohl bekanntesten Initiativen in diesem Kontext. Die Europäische Kommission hat bestätigt, dass diese miteinander verknüpft und im zukünftigen Erasmus-Programm verpflichtend sein sollen. Die Einführung erfolgt in mehreren Stufen ab 2021.

Gleichwohl ist es von großer Bedeutung, dass die deutschen Hochschulen sich auch jetzt schon intensiv mit der Vorbereitung und Implementierung der digitalen Infrastruktur von Erasmus+ befassen. Die Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD begleitet die Einführung der digitalen Initiativen mit verschiedenen Informations- und Beratungsangeboten. So bauen wir bspw. erstmals in Europa ein Netzwerk an Erasmus+ Digitalexperten auf, die den deutschen Hochschulen auf Augenhöhe bei der Umsetzung behilflich sein können.

Zukünftig sollte jede Hochschule, die am Erasmus+ Programm teilnimmt eine Einordnung der Initiativen in die bestehende IT-Infrastruktur der Hochschule vornehmen. Auch über das Erasmus+ Programm hinaus sind viele der kommenden Funktionalitäten nutzbar! Wie z.B. die einheitliche Identifikation von Studierenden; der digitale Austausch von Mobilitätsdaten, die digitale Abwicklung von Vereinbarungen (Interinstitutionelle Vereinbarungen, Lernvereinbarungen) und die effiziente Informationsverteilung rund um Mobilitätsphasen.

Zum Hintergrund – die Initiativen im Kurzüberblick:

Die Initiative für einen europäischen Studierendenausweis soll jeden Studierenden in die Lage versetzen, sich bei einem Studienaufenthalt im Ausland einfach und sicher an Hochschuleinrichtungen in Europa elektronisch auszuweisen und einzuschreiben; damit entfällt eine Immatrikulation vor Ort, und Bürokratie wird abgebaut. Es ist geplant, diese Initiative 2021 an allen Hochschuleinrichtungen, die am künftigen Programm Erasmus teilnehmen, vollständig bereitzustellen. Verpflichtend soll die Nutzung erst ab 2025 sein. Dann, so die EU-Kommission, sollten alle Studierenden in Europa in den vollen Genuss der Vorteile der Initiative für einen europäischen Studentenausweis gelangen.

Die Europäische Kommission sieht die European Student Card Initiative als Dachinitiative, welche die Initiative Erasmus Without Paper, das Projekt MyAcademicID und das Pilotprojekt European Student Card miteinander verbindet.

(a) Erasmus Without Paper (EWP) Network
(Zielgruppe: Hochschulen)

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Hinter EWP verbirgt sich eine Netzwerkstruktur zum schnellen Austausch von Erasmus+ Mobilitätsdaten zwischen bestehenden Mobilitätsdatenbanken. Über EWP werden keine Dokumente verteilt und es werden keine Daten gespeichert. EWP wurde für drei Szenarien konzipiert:

  • keine lokale Mobilitätsmanagementsoftware vorhanden
  • eigene hochschulinterne Softwarelösung
  • Software von kommerziellen Anbietern (z.B. MoveOn, Mobility online, etc.).

Im Rahmen von EWP wurden drei wesentliche Bausteine zur digitalen Abwicklung von Erasmus+ Mobilitäten entwickelt:

  • ein Register der Teilnehmenden Hochschulen zur einfachen Verknüpfung mit Partnerhochschulen,
  • einen Datenstandard zur Übermittlung von Mobilitätsdaten,
  • sowie technische Protokolle zur Verbindung und Übermittlung der relevanten Daten.

Die Nutzung von EWP wird in der kommenden Erasmus+ Programmgeneration ab 2021 stufenweise verpflichtend werden:

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Weitere Details zu Erasmus Without Papers finden sich im EWP Competence Center


(b) MyAcademicID
(Zielgruppe: Studierende)

Das Projekt baut auf dem European Student Card-Pilotprojekt auf. Ziel ist die eindeutige Identifizierung von Studenten durch eine eID und die Möglichkeit, vorhandene physische Studentenausweise mit den Elementen des Europäischen Studentenausweises (z.B. Emblem, QR-Code) zu erweitern. Diese eID ist das Ergebnis einer Verbindung des European Student Identifier (aus dem European Student Card-Projekt) mit dem bereits bestehenden, global agierenden eduGAIN-Inter-Förderations-Service (zum sicheren Austausch von Identitäts-, Authentifizierungs- und Autorisierungs-Informationen zwischen beteiligten Föderationen). Die eID soll auch mit der europäischen Interoperabilitäts-Architektur „eIDAS“ (siehe EU-Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt) kompatibel und verbunden sein.
 

Darüber hinaus stehen den europäischen Hochschulen und Studierenden noch weitere Anwendungen zur Verfügung:

In fünf verschiedenen thematischen Clustern verfolgt das OpenU-Projekt ein Ziel:
die Schaffung einer gemeinsamen, digitalen Infrastruktur. Lehre und Lernen, Kooperationen und Mobilität sollen digital gestärkt, Grenzen abgebaut und die Internationalisierung europäischer Hochschuleinrichtungen digital weiterentwickelt werden.

Technische Lösungen für die Plattform des Projekts werden entwickelt, evaluiert und an Hochschulen getestet (im Experimentellen, Evaluierungs- und Implementierungs- Cluster), um bestehende Learning Management Systeme der Hochschulen länder- und institutionsübergreifend zu verbinden. Neben der administrativen Ebene zum Austausch von Studierendendaten umfasst dies auch gemeinsame Onlineangebote in Lehre und Lernen, Kooperationen und Mobilität. Bestehende Erasmus+ Flagschiffprojekte wie Erasmus Without Paper, das Online Learning Agreement oder die European Student Card sollen hier miteinander verbunden und digital zusammengeführt werden. Der DAAD koordiniert den begleitenden Politikdialog mit sechs europäischen Bildungsministerien.

Das Projekt ist inhaltlich an die Ausschreibung der Europäischen Universitäten geknüpft und kann zukunftsweisende Lösungen für eine langfristige Zusammenarbeit bieten.

Das Erasmus+ Dashboard ist eine kostenfreie Online-Plattform zum Management von Mobilitätsdaten. Sie wurde im Auftrag der EU-Kommission als Referenzprodukt für Hochschulen entwickelt, die weder mit einer eigenen Mobilitätssoftware, noch mit einer Software von Drittanbietern arbeiten. Letztendlich werden aber alle Lösungsanbieter ihre Produkte mit den neuen technischen Standards kompatibel machen.

Das Erasmus-Dashboard ermöglicht es unter anderem, Lernvereinbarungen zu überprüfen, abzulehnen, zu kommentieren, herunterzuladen und zu unterzeichnen. Es fungiert auch als Kommunikationsplattform für Erasmus-Studierende und ermöglicht es den Hochschulen, Gruppen-E-Mails zu senden sowie Fristen und benutzerdefinierte Benachrichtigungen über die Erasmus+ Mobile-App zu verteilen.

Das OLA ermöglicht es Studierenden (und auch Hochschulen) Lernvereinbarungen online zu erstellen und zu verwalten. Die Vereinbarungen können verändert und digital unterschrieben werden. Über Änderungen werden alle Beteiligten per Mail benachrichtigt. Zudem werden im Änderungsprozess alle Unterschriften gelöscht. So wird sichergestellt, dass nur die jeweils finale Version unterschrieben ist. Bisher wurden so ca. 30.000 Lernvereinbarungen generiert.

Die Erasmus+ App soll mobile Erasmus+ Studierende rund um ihren Auslandsaufenthalt mit Informationen und Funktionen begleiten. Z.B. können Studierende über die App den Status und den Unterzeichnungsprozess ihrer online Lernvereinbarung überwachen. Darüber hinaus zeigt die Erasmus+ App spezifische Informationen aus den Heim- und Gasteinrichtungen der Studierenden an, die die Einrichtungen im Erasmus-Dashboard bearbeiten können. Schließlich können Studierende mit der Erasmus+ App Push-Benachrichtigungen von ihren Einrichtungen erhalten und sind so über wichtige Meilensteine und Fristen im Mobilitätsprozess informiert.

In diesem Netzwerk starten und autorisieren Studierende den Austausch ihrer Daten und Leistungsnachweise zwischen Hochschulinstitutionen und -systemen (degree und credit mobility) für internationale Mobilität, Zulassungs- und Anerkennungsverfahren, Rekrutierung, etc. mittels eines standardisierten Datenformats (ELMO).

Das EMREX-System besteht aus den folgenden Komponenten und Abläufen:
Studierende loggen sich beim EMREX Client an der Heimathochschule (Web-Anwendung) ein und fordern Resultate von der Gasthochschule an. Das Student Mobility Plug-in (SMP) fragt bei der Registerdatenbank EMREG (einzige zentralisierte Komponente, Server aktuell in Norwegen) den zuständigen National Contact Point (NCP) ab. Am NCP (Web-Anwendung) loggt sich die Studierende erneut ein (erhöhte Sicherheit), um Resultate von der nationalen Resultat-Datenbank, bzw. direkt von der externen Hochschule abzurufen. Resultate werden über den NCP an den EMREX-Client zurückgespielt und von der Studierenden über den Client in das SIS (Student Information System) ihrer lokalen Hochschule importiert.

Kontakt

Martin Schifferings

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