Microcredentials an Hochschulen: Vom Konzept zur Praxis
Großes Interesse an Bologna-Hub-Konferenz in Frankfurt
Die Konferenz „Vom Konzept zur Praxis: Wege zur Implementierung von Microcredentials an Hochschulen“ (4.–5. Dezember 2025, Frankfurt) brachte rund 100 Hochschulexpertinnen und -experten aus dem deutschsprachigen Raum zusammen, um Erfahrungen und Strategien zur Entwicklung und Implementierung von Microcredentials zu bündeln und zentrale Herausforderungen zu diskutieren. Im Fokus standen dabei Fragen der Standardisierung, Digitalisierung und Qualitätssicherung ebenso wie die curriculare und außercurriculare Einbindung sowie neue Perspektiven für Weiterbildung und lebenslanges Lernen.
In seiner Keynote beleuchtete Carlos Delgado Kloos, Professor an der Universidad Carlos III. de Madrid (UC3M) und Alumnus der TU München, die begrifflichen und konzeptionellen Unschärfen rund um Microcredentials. Er machte deutlich, dass der Begriff oft sowohl für die Lerneinheit als auch für das daraus resultierende Zertifikat verwendet wird, die Vielzahl internationaler und nationaler Definitionen ein einheitliches Verständnis jedoch erschwert. Zugleich betonte Delgado Kloos die strategische Bedeutung von Microcredentials für Hochschulen, um flexibler auf arbeitsmarktnahe Bedarfe zu reagieren und im Wettbewerb mit neuen Bildungsanbietern zu bestehen.

Carlos Delgado Kloos (UC3M) bei seiner Keynote zur Eröffnung der Veranstaltung.
Martin Magunia / DAAD
Die anschließende Diskussionsrunde zeigte, dass Microcredentials in Europa stark politisch angestoßen wurden, ihre nachhaltige Verankerung jedoch noch eines breiteren institutionellen Rahmens bedarf. Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschulen und Hochschulverbünden berichteten von ersten erfolgreichen Umsetzungen – etwa in der curricularen Integration, in regionalen Kooperationen oder als akkumulierbare Weiterbildungsformate. Zugleich wurde deutlich, dass hochschulweite Strategien, klare rechtliche Regelungen und abgestimmte Standards entscheidend sind, um Microcredentials über Pilotprojekte hinaus zu etablieren.

Internationale Diskussionsrunde mit Beiträgen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie von der EUA.
Martin Magunia / DAAD
Weitere Beispiele aus europäischen Hochschulallianzen, einzelnen Hochschulen und Projekten unterstrichen die große Dynamik im Themenfeld, machten aber auch zentrale Herausforderungen sichtbar, wie die geringe Bekanntheit unter Studierenden, erforderliche Anpassungen in der technischen Infrastruktur oder uneinheitliche Rahmenbedingungen. Insgesamt zeigte die Konferenz, dass Microcredentials wichtige Impulse für flexible Bildungswege, stärkere Arbeitsmarktorientierung und lebenslanges Lernen geben können – ihre erfolgreiche Umsetzung erfordert jedoch koordinierte Strategien, technische Interoperabilität und eine feste institutionelle Verankerung.

Michael Gaebel (Director Higher Education Policy, EUA) bei der Diskussionsrunde.
Martin Magunia / DAAD
Befragungen der NA DAAD
Im Rahmen der Konferenz stellte Referat EU04 Ergebnisse aus eigenen Befragungen von Hochschulen, Studierenden sowie Unternehmen und Branchenverbänden vor. Diese zeigen, dass das Angebot an Microcredentials an deutschen Hochschulen seit 2022 zwar zunimmt und erste institutionelle Strategien entstehen, zugleich jedoch ein sehr heterogenes Begriffsverständnis sowie unterschiedliche Regelungen, Zielgruppen und Einsatzfelder bestehen. Obwohl Hochschulen ihre eigenen Studierenden dabei als eine zentrale Zielgruppe sehen, sind Bekanntheit und Nutzung von Microcredentials bislang gering.
Die Befragung von Unternehmen und Branchenverbänden, die in Abstimmung mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände durchgeführt wurde, weist auf ein selektives Interesse hin: Besonders gefragt sind praxisnahe, technologisch ausgerichtete Microcredentials mit flexiblem Kursdesign und klarem Arbeitsmarktbezug.
Insgesamt verdeutlichen sowohl die Befragungen als auch die Diskussionen auf der Veranstaltung das große Potenzial von Microcredentials in Deutschland, dessen Ausschöpfung jedoch klarere Rahmenbedingungen, höhere Sichtbarkeit und eine kohärente strategische Verankerung erfordert. Dass der DAAD das Thema aufgreift und im Rahmen eines solchen Veranstaltungsformats zur Diskussion stellt, wurde von den Teilnehmenden ausdrücklich begrüßt.
