Kann Studierendenaustausch Europäische Identität stiften? - Pressegespräch zu 30 Jahren Erasmus

Erasmus ist heute weltweit Synonym für grenzüberschreitende Mobilität und Studierendenaustausch. Insgesamt haben mit Erasmus mittlerweile 3,6 Millionen Studierende Europa kennengelernt, davon alleine rund 651.000 Studierende aus Deutschland. Aber in europakritischen Zeiten steht das Programm einmal mehr vor einer großen Bewährungsprobe.

Den Erfolg von Erasmus konnte 1987 niemand vorausahnen, als das Programm für den Hochschulbereich ins Leben gerufen wurden. Erasmus hat sich in den vergangenen 30 Jahren zum größten und renommiertesten Austauschprogramm  Europas entwickelt. Die aktuelle Programmgeneration Erasmus+ verfügt über ein Gesamtbudget von 14,774 Mrd. EUR für die Bildungsbereiche Hochschulbildung, Berufliche Bildung, Erwachsenenbildung, Schulbildung, Jugend und Sport.

Bewährungsprobe in europakritischen Zeiten

Nichtsdestotrotz muss sich die Erasmus-Erfolgsgeschichte einmal mehr in eurpakritischen Zeiten bewähren. Renationalisierungstendenezen in den europäischen Mitgliedsstaaten, Brexit und geringe Wahlbeteiligungen lassen die Vermutung zu, dass die Einheit Europas auseinander zu brechen droht.

Was kann die "Generation Erasmus" tun?

Welchen Beitrag kann das Erasmus-Programm in solchen Zeiten bieten, um dieser Tendenz widerstehen zu können? Welchen Beitrag kann die "Generation Erasmus" leisten, um die Idee Europa und einer Europäischen Identität zu stärken.

Diese Fragen diskutierte DAAD-Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel, die die Diskussionsrunde modierte, im Rahmen eines Presse-Roundtable am 16.03. mit folgenden Gästen in Berlin:

  • Dr. Hanns Sylvester, Direktor der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD
  • Dr. Siegbert Wuttig, ehemaliger Direktor der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD (1989-2014) und Direktor des internationalen ASEM-Sekretariats (2009-2013)
  • Rita Mercedes Begines Cid, spanische Fremdsprachenassistentin am St. Bernhard Gymnasium Willich und Doktorandin an der Universidad Pablo de Olavide in Sevilla.
  • Frank Wittmann, Vorsitzender des Vereins Europa macht Schule.
  • Patrick Wüstefeld, Student der Rechtswissenschaften an der Universität Bonn.
  • Emese Pásztélyi, Studentin der Rechtswissenschaften an der Eötvös Lorand Universität in Budapest.

Erasmus bringt die Bürger Europas zusammen.

Ehemaliger Direktor der NA DAAD Dr. Siegbert Wuttig

Im Rahmen dieser Runde wurde u.a. über Vorurteile gegenüber Erasmus+ diskutiert. Dass Teilnehmer des Programms mehr an einem Pluspunkt in ihrem Lebenslauf als an ihrem Gastland interessiert seien, wurde während der Veranstaltung überzeugend widerlegt. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Erasmus-Teilnehmer vor allem aus bildungsnahen, finanziell gut ausgestatteten Elternhäusern stammten. Der ehemalige Direktor der NA DAAD, Dr. Siegbert Wuttig, betonte, dass Erasmus die Bürger Europas zusammenbringt. Das Erasmus-Programm habe dazu beigetragen, Werte wie Frieden, Völkerverständigung, Toleranz, Diversität und Rechtsstaatlichkeit in Europa zu verankern. Lesen Sie hierzu auch den DAAD Aktuell-Artikel zu diesem Pressegespräch.

Jubiläumsbroschüre der NA DAAD "Europa in Bewegung"

Gleichzeitig wurde im Rahmen dieses Presse-Roundtable die Jubiläumsbroschüre der NA DAAD "Europa in Bewegung - das europäische Erfolgsprogramm ERASMUS feiert sein 30-jähriges Jubiläum" veröffentlicht, in welcher die Entstehungsgeschichte von ERASMUS aus Perspektive der Europäischen Kommission, der deutschen Bildungspolitik, der NA DAAD und Teilnehmern der deutschen Hochschulen nachgezeichnet wird.