European Degree
Mit dem European Degree verfolgt die EU das Ziel eines europaweit anerkannten Hochschulabschlusses. Auf dieser Webseite finden Sie Hintergründe, Kriterien und Fördermöglichkeiten im Erasmus+ Programm.
Was ist ein European Degree?
Die Europäische Kommission plant, mit dem European Degree einen neuen grenzüberschreitenden Hochschulabschluss zu schaffen, der im Anschluss an transnationale Bachelor-, Master- oder Promotionsprogramme vergeben wird. Dieser Abschluss soll in allen EU-Mitgliedstaaten der automatischen Anerkennung unterliegen. Automatische Anerkennung bedeutet, dass ein in einem EU-Mitgliedstaat verliehener Abschluss in allen anderen Mitgliedstaaten ohne zusätzliche Prüfungen oder Anerkennungsverfahren als gleichwertiger Hochschulabschluss gilt. So soll der European Degree europäische Mobilität, Sichtbarkeit und Qualität von Studienangeboten stärken.
Warum ein European Degree?
Transnationale gemeinsame Studienprogramme sind ein zentrales Ziel des Europäischen Hochschulraums. Ihre praktische Umsetzung ist jedoch trotz der bestehenden Bologna-Instrumente weiterhin mit erheblichen rechtlichen und administrativen Herausforderungen verbunden.
Um diese Hürden systematisch zu identifizieren und innovative Lösungsansätze zu erproben, hat die Europäische Kommission im Rahmen der Förderlinie Europäische Experimentelle Maßnahmen zwischen 2023 und 2024 zehn Erasmus+ Pilotprojekte zur Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Abschlusslabels sowie zur Prüfung eines möglichen europäischen Rechtsstatus für Hochschulallianzen gefördert.
Die Ergebnisse dieser Pilotprojekte sind im Abschlussbericht der Kommission von Dezember 2024 dokumentiert, der über 50 strukturelle Hindernisse – beispielsweise in den Bereichen Qualitätssicherung, Sprache und Abschlussformate – identifiziert und die Notwendigkeit eines klaren, europaweit gültigen Rahmens betont. Als Reaktion auf diese Herausforderungen hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, einen gemeinsamen Rahmen in Form eines Labels für Joint Programmes zu schaffen, mit der Perspektive auf einen echten, neuen europäischen Hochschulabschluss.
Der Weg zum European Degree – Konzept und Umsetzung
Vor diesem Hintergrund schlägt die Kommission einen zweistufigen Ansatz vor:
- European Degree Label: Eine zusätzliche Qualitätsauszeichnung für bestehende transnationale Studienprogramme, die die gemeinsam definierten europäischen Kriterien erfüllen. Es soll Sichtbarkeit schaffen und als vorbereitender Schritt zum European Degree dienen.
- European Degree: Ein langfristig angestrebter, neuer Abschlusstyp, der national verliehen und in nationale Qualifikationsrahmen eingebettet wird. Er soll als gemeinsamer europäischer Bezugsrahmen dienen und auf bestehenden Strukturen aufbauen.

Quelle: NA DAAD, basierend auf dem Abschlussbericht der Europäischen Kommission zu den Erasmus+ Pilotprojekten (2024), S.16
Politischer Hintergrund
Das im März 2024 veröffentlichte EU-Hochschulpaket der Europäischen Kommission bildet die zentrale politische Initiative zur Einführung des European Degree. Es legt die Grundlagen für einen europaweit anerkannten Hochschulabschluss und verfolgt das Ziel, transnationale Studienprogramme zu stärken sowie administrative und rechtliche Hürden abzubauen. Das Hochschulpaket ist damit der strategische Rahmen, der die nachfolgenden Maßnahmen, Pilotprojekte und Rechtsrahmen unterstützt und in den EU-Bildungsraum einbettet.
Mit der Mitteilung zur Union of Skills vom 5. März 2025 hat die Europäische Kommission konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Europäischen Bildungsraums vorgestellt. Eine zentrale Maßnahme im Rahmen des Ziels „Zirkulation von Kompetenzen“ ist der Start innovativer gemeinsamer europäischer Studienprogramme mit einem europäischen Hochschulabschluss bzw. Label. Die Mitteilung bildet den politischen Auftakt für die nachfolgenden Ratsdokumente.
Am 12. Mai 2025 hat der Rat der Europäischen Union zwei zentrale politische Dokumente angenommen, die den Weg zur Umsetzung des European Degree Labels ebnen:
- Entschließung des Rates zu einem gemeinsamen europäischen Abschlusslabel: Diese formuliert die politische Vision und skizziert die nächsten Schritte in Richtung eines gemeinsamen European Degrees. Damit signalisiert der Rat klaren politischen Rückhalt.
- Empfehlung des Rates zu einem europäischen Qualitätssicherungs- und Anerkennungssystem: Ziel ist es, Qualitätssicherungsprozesse agiler und zweckmäßiger zu gestalten. Die Empfehlung bekräftigt zudem die automatische gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen und legt die Kriterien für das Label fest.
Europäische Kriterien für das European Degree Label
Die Kriterien für das European Degree Label lassen sich drei übergeordneten Bereichen zuordnen. Sie wurden im Dialog mit Hochschulen, Ministerien und Qualitätssicherungsagenturen entwickelt und sollen hohe Qualität und europäische Relevanz transnationaler Studiengänge garantieren.

Quelle: NA DAAD, basierend auf dem Abschlussbericht der Europäischen Kommission zu den Erasmus+ Pilotprojekten (2024), S. 40
1. Transnationale Organisation und Verwaltung
- Transnationale Kooperation: Mindestens zwei Hochschulen aus zwei EU-Mitgliedstaaten bieten den Studiengang gemeinsam an.
- Gemeinsame Durchführung: Gemeinsame Konzeption, Durchführung und Verleihung eines gemeinsamen Abschlusses (inkl. eines gemeinsamen Diplomzusatzes).
- ECTS-Kompatibilität: Lernergebnisse und Credits sind gemäß ECTS-Leitfaden definiert.
- Gemeinsame Verwaltungsstrukturen: Gemeinsame Strategien und Verfahren für Curricula, Organisation und Administration, unter Einbindung von Studierendenvertretungen.
- Qualitätssicherung: Interne und externe Qualitätssicherung gemäß den Europäischen Standards und Leitlinien für die Qualitätssicherung im Europäischen Hochschulraum (ESG); Bewertung durch EQAR-registrierte Agentur sowie Anwendung des Europäischen Ansatzes für Joint Programmes.
- Werdegang-Nachverfolgung: System zur Verfolgung des beruflichen Werdegangs von Absolventinnen und Absolventen.
2. Lernerfahrung
- Studierendenzentriertes Lernen: Aktive Beteiligung der Studierenden am Lernprozess; studierendenorientierte Prüfungsformate.
- Interdisziplinarität: Integration interdisziplinärer Elemente im Curriculum.
- Arbeitsmarktorientierung: Einbindung sektorübergreifender Komponenten und Querschnittskompetenzen.
- Digitale Kompetenzen: Entwicklung fortgeschrittener digitaler Kompetenzen entsprechend den Kapazitäten des Studiengangs.
- Transnationaler Campus: Zugang zu Unterstützungsangeboten an allen Partnerhochschulen unter gleichen Bedingungen.
- Flexibilität und Mobilität: Mindestens sechsmonatige physische Mobilität (z. B. aufgeteilt auf mehrere Aufenthalte), mit Alternativen für nicht mobile Studierende.
- Gemeinsame Betreuung von Abschlussarbeiten: Betreuung und Bewertung von Dissertationen durch Hochschulangehörige aus mindestens zwei Ländern.
3. Europäische Werte
- Demokratische Werte: Förderung demokratischer Prinzipien im Studienprogramm.
- Mehrsprachigkeit: Erwerb von Kenntnissen in mindestens zwei EU-Sprachen während des Studiums.
- Inklusivität: Maßnahmen zur Förderung von Diversität, Gleichstellung und Inklusion; Unterstützung für Personen mit geringeren Chancen.
- Forschungsgrundsätze: Verpflichtung zur Europäischen Charta für Forscherinnen und Forscher.
- Ökologische Nachhaltigkeit: Strategien und Maßnahmen zur Förderung des grünen Wandels und Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks.
Nächste Schritte
Die Europäische Kommission hat einen detaillierten Fahrplan entwickelt, der konkrete Schritte zur Umsetzung

Quelle: NA DAAD
Erasmus+ Fördermöglichkeiten
Die Europäische Kommission plant zahlreiche Fördermöglichkeiten unter dem Erasmus+ Programm:
European Degree Exploratory Action
Die European Degree Exploratory Action schafft einen experimentellen Raum für Hochschulen, die den Weg zu einem möglichen European Degree oder einem vorbereitenden European Degree Label beschreiten wollen. Dabei nutzt sie das Potenzial der Initiative „Europäische Hochschulen“, öffnet aber ausdrücklich auch Hochschulallianzen und Konsortien außerhalb dieser Initiative die Möglichkeit zur Teilnahme.
Viele Hochschulallianzen sehen sich bei der Entwicklung und Umsetzung gemeinsamer Studienprogramme weiterhin mit nationalen Rechtsbarrieren konfrontiert, die der Bologna-Prozess allein nicht lösen kann. Die Exploratory Action unterstützt Hochschulen dabei, Programme zu gestalten und zu erproben, die den europäischen Kriterien entsprechen.
Die finanzielle Förderung erleichtert es den Hochschulen, bestehende transnationale Joint Programme anzupassen oder neue gemeinsame Studiengänge auf Bachelor-, Master- und Doktoratsebene zu entwickeln. Gleichzeitig wird die Umsetzung dieser Programme unterstützt, insbesondere im Hinblick auf die Einschreibung und Beteiligung von Studierenden.
Darüber hinaus erhalten Hochschulen Unterstützung bei der Bereitstellung von Stipendien für Studierende, die an diesen gemeinsamen Programmen teilnehmen möchten. Falls erforderlich, wird zudem ein Ausgleich der Studiengebühren angestrebt, um die Zugänglichkeit für alle beteiligten Institutionen und Studierenden aus den verschiedenen Ländern sicherzustellen.
Der Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen wird voraussichtlich im 4. Quartal 2025 veröffentlicht. Sobald dies erfolgt ist, sind Informationen zur Antragstellung hier zu finden.
European Degree Pathway Projects
Die European Degree Pathway Projects unterstützen Mitgliedstaaten dabei, gemeinsam mit ihren Akkreditierungs- und Qualitätssicherungsstellen, Hochschulen, Studierenden sowie wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Partnern den Weg zu einem möglichen European Degree – einschließlich eines vorbereitenden Labels – weiter auszuloten. Ziel ist es, nationale Prozesse besser aufeinander abzustimmen und ein gemeinsames Verständnis für europäische Abschlussformate zu entwickeln.
Der Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen wird voraussichtlich im 4. Quartal 2025 veröffentlicht. Sobald dies erfolgt ist, sind Informationen zur Antragstellung hier zu finden.
European Degree Policy Lab
Überblick
Die Europäische Kommission plant die Einrichtung eines European Degree Policy Lab. Ziel ist es, den Austausch zwischen Expertinnen und Experten aus Mitgliedstaaten, assoziierten Ländern, Hochschulen, Qualitätssicherungsstellen, Studierendenvertretungen sowie Wirtschafts- und Sozialpartnern zu fördern. In themenspezifischen Sitzungen sollen nationale Reformen unterstützt sowie Umsetzungsleitlinien und Aktionspläne für die Einführung eines möglichen European Degree-Abschlusses oder eines vorbereitenden Labels entwickelt werden – im Einklang mit dem Bologna-Prozess.
Zeitplan
Phase 1 (2025-2026):
- Ausarbeitung von Definitionen, Beschreibungen, Indikatoren und einer gemeinsamen Methode zur Überprüfung der Einhaltung der angenommenen Kriterien
- Entwicklung von Leitlinien und Verfahren für die Ausstellung des European Degree Labels
- Entwicklung einer Standardvorlage für die visuelle Identität des Labels, einschließlich seiner grafischen Darstellung, sowohl in physischer als auch in digitaler Form
- Vorlage der Ergebnisse vor dem Rat bis Mitte 2026
Phase 2 (2026-2028):
- Monitoring und Evaluation der Einführung des Labels: Bewertung des Labels
- Machbarkeitsstudie für den gemeinsamen Europäischen Hochschulabschluss
European Degree Forum
Zur politischen Begleitung der Initiative wird ein European Degree Forum eingerichtet. Es findet regelmäßig unter Federführung der Europäischen Kommission und in Zusammenarbeit mit den jeweiligen EU-Ratspräsidentschaften statt.
Das Forum bringt hochrangige Vertretende von Mitgliedstaaten und Regionen, Qualitätssicherungsorganisationen (z. B. ENQA, EQAR), dem NARIC-Netzwerk, nationalen Qualifikationsrahmen, Studierendenvertretungen sowie Wirtschafts- und Sozialpartnern zusammen. Ziel ist es, den Fortschritt auf dem Weg zu einem möglichen European Degree zu bewerten, Synergien mit dem Europäischen Hochschulraum zu schaffen und den strukturierten Austausch aller relevanten Akteure zu fördern.
Unser Informations- und Beratungsportal
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