Erasmus+ ohne Grenzen - erste Erfahrungen mit der Mobilität in Partnerländern (KA107) in Kolumbien

Vielfältige Erfahrungen

Politikwissenschaftler Markus Rauchecker von der Freien Universität Berlin lehrte im kolumbianischen Leticia.

An der eigenen Uni zu lehren, mag für viele junge Wissenschaftler schon eine ausreichend große Herausforderung sein. Der Politikwissenschaftler Markus Rauchecker hat eine noch größere gesucht: Im März dieses Jahres unterrichtete er kolumbianische Studierende im Amazonas- Gebiet – dank eines Erasmus+ weltweit-Stipendiums. Rauchecker arbeitet zurzeit als Postdoc an der Freien Universität Berlin an einem Forschungsprojekt über die politischen Ordnungsprozesse von Biodiversität – also Artenvielfalt – in Kolumbien. Die Möglichkeit, in die südamerikanische Grenzstadt Leticia zu reisen, die in einer  besonders artenreichen Region liegt, war für ihn in zweierlei Hinsicht eine Chance: Er konnte Erfahrungen als Hochschullehrer sammeln und seine Forschungsarbeit vorantreiben.

Drei Kurse hat er dort an der Zweigstelle der Nationalen Universität von Kolumbie (Universidad Nacional de Colombia) geleitet: Ein Kolloquium, ein Seminar zu Raum, Gesellschaft und Ökonomie und ein Seminar zu Umweltgeschichte und politischer Ökologie. Die Studierenden kamen aus unterschiedlichen Disziplinen, etwa aus den Literaturwissenschaften, den Sozialwissenschaften, der Biologie und der Forstwirtschaft. Ihm ist besonders aufgefallen, dass die Studierenden schon unmittelbar mit  Beginn ihres Masterstudiums ein Forschungsprojekt anfangen. Das finde ich gut, weil man dann über einen längeren Zeitraum an einem Thema arbeiten kann, sagt Rauchecker. 

Die Studierenden hätten die Seminardiskussionen meist auf ihr eigenes Forschungsprojekt bezogen, sagt er: So konnten sie die Theorie ganz praktisch an ihren eigenen Fallbeispielen nachvollziehen. Auch ihm selbst hätten die Diskussionen in den Seminaren und im Kolloquium dabei geholfen, sein Postdoc-Projekt zu reflektieren, sagt der Wissenschaftler.

Rauchecker möchte Leticia als Fallbeispiel in seine Forschungsarbeit integrieren. Man kann dort bestimmte Probleme im politischen Umgang mit der  Artenvielfalt noch viel besser beobachten als im Inneren des Landes. Die Stadt im Süden des Landes – im Länderdreieck Kolumbien-Brasilien-Peru gelegen – ist mit 40 000 Einwohnern zwar nur eine Kleinstadt, aber gleichzeitig Hauptstadt des Amazonas-Departements und wichtiger Militärstützpunkt. Es gibt dort extrem viele Behörden, sagt Rauchecker. Das macht die Stadt für seine Forschung interessant: Denn die politische Organisation zur Erhaltung der Biodiversität ist dort besonders komplex.

Es gebe konkurrierende Institutionen und unterschiedliche Interessen auf brasilianischer und kolumbianischer Seite, meint Rauchecker: "Kolumbien ist touristisch orientiert und will dafür die Artenvielfalt nutzen, während die Natur auf der brasilianischen Seite der Grenze eher als Rohstofflieferant gesehen wird." Aus Angst, in den Hoheitsbereich des jeweils anderen Landes einzudringen, agierten die Behörden in der Grenzregion besonders vorsichtig. Vor Ort hat der Politikwissenschaftler schon erste Feldforschungen betrieben und dafür lokale  Behörden und Universitäten in der kolumbianischen Stadt sowie der brasilianischen Nachbarstadt Tabatinga aufgesucht. Zudem hatte er Gelegenheit, sich mit seinen kolumbianischen und brasilianischen Kolleginnen und Kollegen der drei Universitäten im Grenzgebiet auszutauschen und Kontakte für zukünftige Projekte zu knüpfen. "Als deutscher Wissenschaftler", sagt er, "ist man dort immer sehr willkommen."

Der Bericht ist von Manuel Krane (Freie Universität Berlin, Presse und Kommunikation).

Weitere Informationen