Erasmus+ ohne Grenzen – erste Erfahrungen mit der Mobilität in Partnerländern (KA107) in Israel

Mit Erasmus+ weltweit studieren und lehren – die Universität Konstanz hat diese neue Chance gerne ergriffen. Nach erfolgreicher Antragsstellung konnte Konstanz in der ersten Runde Mobilität mit Partnerländern (KA107) unter anderem auch für die Partnerschaft mit Israel erhebliche Mobilitätsmittel einwerben.

Große Bedeutung von Forschung und Hightech

Forschung und Hightech spielen in Israel eine große Rolle. Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt ist in Israel der höchste weltweit. Was das Partnerland zudem spannend macht: Die Hochschullandschaft Israels ist momentan im Wandel.

Beeindruckt bin ich wie das EU-Bildungsprogramm die Blickrichtung hin zur EU lenkt. Der europäische Hochschulraum ist sehr stark im Fokus der israelischen IO-Kollegen.
Renate Krüßmann, Erasmus+ Hochschulkoordinatorin der Universität Konstanz nach einem Besuch im Rahmen des Erasmus Mundus Projekts "EDEN"  in Israel 2016

Große Bereitschaft israelischer Studierenden für Auslandsaufenthalte

Mehr und mehr israelische Studierende zieht es ins Ausland, Internationalisierung wird für die israelischen Hochschulen immer wichtiger. Die deutschen Hochschulen sind für Israel bei dieser Entwicklung sehr interessante Partner. Es ist also genau der richtige Zeitpunkt, um die Verbindungen zu Israel mit dem neuen Instrument Erasmus+ zu intensivieren.

Es scheint eine regelrechte "Gründungseuphorie" für International Offices an den israelischen Hochschulen zu herrschen, die es den Unis ermöglicht neue Ressourcen zu schaffen, um eine große Anzahl neuer Partnerschaften und Mobilitäten zu handhaben. Erasmus als "Motor für Innovation" scheint nun auch für die Partnerländer zu gelten.
Dr. Nani Clow, Leiterin des International Office Konstanz der Universität Konstanz, nach dem Besuch in Israel im April 2016

Uni Konstanz erweitert Netzwerk mit vier Hochschulen in Israel

Die Mobilität mit Partnerländern (KA107) ermöglicht der Uni Konstanz das bestehende Netzwerk in Israel mit den vier großen staatlichen Hochschulen, der "Tel Aviv University", der "University of Haifa", der "Hebrew University of Jerusalem" und der "Ben Gurion University of the Negev" auszubauen. Dabei wird der Studierendenaustausch auf allen Niveaustufen sowie Lehr- und Personalmobilitäten gefördert.

Es musste alles sehr schnell gehen, nachdem im Sommer 2015 klar war, dass Konstanz der Antrag mit Israel in vollem Umfang bewilligt wurde. Schließlich sollten die ersten Studierenden schon im darauffolgenden Sommersemester vom Austausch profitieren und die ersten Personal- und Lehrmobiliäten baldmöglichst Realität werden. Gerade dabei zeigte sich schnell, dass es von Vorteil ist, seine Partner gut zu kennen und auf eine langjährige Zusammenarbeit zurückblicken zu können. Seit 1987 besteht die Kooperation mit der "Tel Aviv University" – gefördert durch die Kurt Lion-Stiftung, die private Stiftung der Familie Lion  – und seit 2012 die Zusammenarbeit mit der "University of Haifa" und der "Ben Gurion University" im Projekt "EDEN" in ERASMUS Mundus Aktion 2.

Es ist einfach schön mit den israelischen Partnern zusammen den Erasmus+ Austausch aufzubauen und zu entwickeln. Die Herzlichkeit, Unkompliziertheit und Zugänglichkeit der Kolleginnen und Kollegen macht das sehr leicht. Verena Ladegast, E+ ICM Koordinatorin der Universität  Konstanz

Nach einer rasanten Ausschreibungsrunde im vergangenen Herbst können nun die ersten Studierenden beider Seiten im laufenden Sommersemester 2016 ihren Auslandsaufenthalt realisieren. Sie sind dabei die absoluten Vorreiter und beschreiten neue Wege.

Interview mit Konstanzer Studentin Larysa Herasymova

Eine dieser Erasmus+ Pioniere ist die Konstanzer Philosophie-Studentin Larysa Herasymova.

Warum aber Israel, warum Tel Aviv?

Die  Erasmus+ Ausschreibung hat sofort mein Interesse geweckt, da die (politische) Lage in Israel und den angegrenzten Gebieten und Staaten stets heiß debattiert wird. Wo versteht man besser die Lage als in einem der Epizentren der Geschehnisse? Tel Aviv wählte ich aus, weil es eine große, liberale, weltoffene und kulturell vielfältige Stadt ist.

Und wäre der Aufenthalt auch ohne die neue Erasmus+ Option möglich gewesen?

Ich bin erst durch die Erasmus+ Ausschreibung auf die Idee gekommen, dass Israel ein ganz spannender Ort zum Leben sein könnte. Ohne Stipendium hätte ich es mir nicht leisten können, da die Lebenskosten in Israel und besonderes in Tel Aviv sehr hoch sind. Das Stipendium reicht höchstens für die Hälfte der Ausgaben, auch wenn man vorsichtig wirtschaftet.

Bewerbung des Programms

Nach den Erfahrungen der ersten Monate lässt sich sagen, dass das Programm bereits gut angelaufen ist, aber noch in Schwung kommen muss. Die Erasmus+ Strukturen müssen etabliert werden und der Bekanntheitsgrad der neuen Austauschmöglichkeiten muss noch steigen. Das Gebot der Stunde ist daher das Programm weiter in den Fokus zu rücken und vor allem auf israelischer Seite Werbung dafür zu machen. Der Besuch des Konstanzer Rektors Ulrich Rüdiger und der Leiterin des International Offices Nani Clow an den israelischen Partnerhochschulen im April hatte genau dies zum Ziel.

Erasmus+ Mobilität mit Partnerländern ist für die Universität Konstanz ein elementares Instrument um die strategische Partnerschaft mit Israel fortzuführen und gemeinsame Synergien im Bereich der Forschung, aber auch in Bereichen wie Blended Learning oder Service Learning herauszuarbeiten.
Dr. Nani Clow, Leiterin des International Office Konstanz, nach dem Besuch in Israel im April 2016

Der direkte Austausch mit den Partnern ist essentiell.  Denn obwohl die Programmstrukturen klar vorgegeben sind, ist einiges im Alltagsgeschäft "learning by doing". Nicht immer lassen sich die Standardstrukturen von Erasmus+ problemlos auf den weltweiten Austausch übertragen. Ein Beispiel:  Die Lebensphase in der sich die israelischen Studierenden befinden ist meist nicht mit der deutscher Studierender zu vergleichen. Durch den langjährigen Militärdienst sind die israelischen Studierenden im Schnitt älter, oftmals schon verheiratet und familiär gebunden – eine Mobilitätsphase ist daher teilweise schwerer zu realisieren.

Doch der Austausch läuft – Erasmus bewegt die Studierenden, die Lehrenden und Verwaltungsmitarbeiter, die mit intensiven Erfahrungen an ihre Heimathochschulen zurückkehren und natürlich die besten Werbeträger sind. Alle profitieren von der neuen Möglichkeit, die Erasmus+ ICM bietet. Auch Larysa Herasymova nutzt diese Chance und  hat schon jetzt eine klare Vorstellung wie es für sie weitergehen soll: Ich suche schon jetzt nach Möglichkeiten, zurück nach Israel zu kommen um hier ein Praktikum zu absolvieren und um die Sprache weiter zu lernen.