Lottje Schlien in Portsmouth, England

Lottje Schlien, Studierende der Philipps-Universität Marburg absolvierte ein 11-monatiges Erasmus-Studium an der University of Portsmouth, England. In Ihrem Erfahrungsbericht beschreibt die Studierende, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, ihren Weg an die englische Gasthochschule.

Lottje Schlien

privat/DAAD

Mein Weg an die University of Portsmouth

Nachdem ich mir überlegt hatte ein Auslandsemester zu machen, musste ich natürlich zunächst klären inwiefern sich so etwas mit den Umständen meiner Behinderung in Einklang bringen lässt. Dabei ist der erste Punkt einer jeden Erasmus-Bewerbung natürlich die richtige Ortsauswahl. Ich wusste, dass ich aufgrund der sprachlichen Gegebenheiten unbedingt nach Südengland wollte. Anstatt mir jedoch, wie normalerweise sinnvoll, die Verhältnisse der Stadt im Sinne einer behindertengerechten Umgebung für mich und eine Betreuungsperson anzusehen, habe ich englische Städte gegoogelt und mich für die Stadt mit den schönsten Bildern entschieden. Ich hatte bei weitem mehr Glück als Verstand bei der Auswahl des Ortes - empfehlen würde ich diese Vorgehensweise allerdings niemandem.

Ein Erasmus-Aufenthalt benötigt eine gute Planung

Man benötigt als schwerbehinderter Mensch mindestens ein Jahr Vorlaufzeit, denn die Organisation der Unterkünfte, bei der die englische Partneruniversität im Übrigen sehr hilfreich war, ist bei weitem nicht der komplizierteste Teil der Angelegenheit. Für die Zeit des Auslandsaufenthaltes brauchte ich eine Begleitperson. Es war nicht einfach jemanden zu finden, der für mindestens ein halbes Jahr lang Zeit hat diesen Pflegejob zu übernehmen und mir zudem noch so sympathisch ist, dass ich mir das enge Zusammenleben mit dieser Person auch noch vorstellen konnte.

Weiterhin blieb die große Frage der Finanzierung. Durch eine Mitbewohnerin, die ebenfalls ein Auslandssemester absolviert hatte, wurden mir die Möglichkeiten der Mithilfe der Finanzierung, die seitens des DAAD bestehen nähergebracht. Über die NA DAAD lassen sich viele Nebenkosten, die für eine Betreuungsperson anfallen, beantragen. Allerdings muss man dafür nachweisen, dass eine Kostenübernahme für die Pflege von anderen Kostenträgern, zum Beispiel dem Sozialamt, verweigert werden. Nun weiß man, dass es einige Zeit kosten kann solche Nachweise von Landesämtern zu bekommen. Bereitet euch also auf sehr viele Telefonate mit verschiedenen Behörden vor und verliert nicht den Mut.

Reisevorbereitung

Sobald der finanzielle Teil durchgestanden ist, kann die richtige Reisevorbereitung beginnen: Flüge buchen, Sachen packen und hoffen, dass die Beschreibung der Räume auch genauso zutrifft wie angegeben. In meinen Fall wurden meine Erwartungen von Portsmouth bei weitem übertroffen. So sehr, dass ich eigentlich gar nicht zurück nach Deutschland möchte. Gleiches gilt für die Hilfsbereitschaft der Universität Portsmouth. Es gibt sogar einen eigens eingerichteten Bereich, der sich nur mit den Belangen schwerbehinderter Studenten auseinandersetzt. Nach der Ankunft wird einem dann dementsprechend ein solcher "Sachbearbeiter" zugeteilt, der sich dann um diverse mögliche Probleme kümmert und an den man sich jederzeit mit Fragen wenden kann.

Fazit

Als abschließendes Fazit bleibt mir zu sagen, dass sich die Mühe wirklich gelohnt hat und ich hoffe, dass du als Leser die Gelegenheit beim Schopf packst, dich dieser Mammutaufgabe anzunehmen.