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Martin Schulz, ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments

Wir feiern dieses Jahr das 30-jährige Bestehen des ERASMUS-Programms. Es gibt nur wenige Programme der EU, die derart erfolgreich sind und die sich derartiger Beliebtheit erfreuen. ERASMUS gilt als Symbol dafür, wie es einer Union von Staaten gelungen ist, aus den Schrecken des 20. Jahrhunderts zu lernen und miteinander statt gegeneinander zu arbeiten.

Martin Schulz war von 2012 bis 2017 der Präsident des Europäischen Parlaments.

Die europäischen Staaten haben sich von einer Gemeinschaft, die kriegswichtige Industrien in der unmittelbaren Nachkriegszeit unter der Prämisse "nie wieder Krieg" zusammengelegt hat, hin zu einer Gemeinschaft gewandelt, die ihre Einheit durch Kultur, Bildung und vor allem durch persönliche Freundschaften stärkt.

Umberto Eco nannte die Schaffung der ersten Generation junger Europäerinnen und Europäer den "ERASMUS Effekt": Ein junger Portugiese trifft eine Niederländerin, sie verlieben sich, heiraten und werden Europäer, und genauso wie ihre Kinder. Es gibt bereits mehr als eine Million solcher ERASMUS-Babys. Doch warnte Eco auch, dass es nicht ein Privileg nur für Studentinnen und Studenten sein darf, in anderen EU-Ländern zu leben und sich zu integrieren, sondern dies ebenso auch Taxifahrerinnen, Installateuren und einfachen Arbeitern ermöglicht werden sollte.

Aus diesem Grund wurde ERASMUS in den letzten Jahren erweitert und ausgebaut, um eben einer möglichst großen Zahl an Menschen solche Erfahrungen zu ermöglichen. Eine ERASMUS-Studentin erzählte mir einst, dass es bei ihrem ERASMUS-Aufenthalt nicht in erster Linie ums Studieren ging, sondern vielmehr ums Lernen! Ich stimme vollkommen mit ihr überein, denn bei ERASMUS geht es ums Erwachsenwerden, darum sich selbst zu öffnen, zu diskutieren, andere Kulturen kennenzulernen und dadurch auch seine eigene besser zu verstehen.

Der Erfolg von ERASMUS liegt darin, dass dieses Programm sowohl auf Rationalität als auch auf Emotion aufgebaut ist. Nichts zeigt den Erfolg von ERASMUS besser als ein paar Zahlen. Eine Studie aus dem Jahr 2014 hat aufgezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit in Langzeitarbeitslosigkeit zu geraten für ehemalige ERASMUS-Studentinnen und Studenten nur halb so groß ist wie für diejenigen, die sich dazu entschlossen haben, während ihres Studiums nicht ins Ausland zu gehen. Für Studierende aus Zentral-und Osteuropa liegt diese Wahrscheinlichkeit sogar um 83 Prozent geringer.

Ein Drittel der ERASMUS-Absolventen lebt heute mit einem Partner einer anderen Nationalität. Hier zeigt sich wie ERASMUS auf mehreren Ebenen wirkt: es hilft, Wissen und Fähigkeiten zu erwerben, aber es hilft in erster Linie auch dabei, persönliche Beziehungen aufzubauen.

In diesen turbulenten Zeiten für Europa, die von Brexit, Flüchtlings- und Wirtschaftskrisen, Terrorismus und zunehmenden Ungleichheiten geprägt sind, trotzt ERASMUS dem Gegenwind, den Europa zu spüren bekommt, indem es die europäischen Werte hochhält. Es ist ein Programm der Toleranz und Akzeptanz, der Verständigung und des Verstehens, der Freundschaft und der Liebe. Es ist vielleicht das Programm, das das Konzept "EU" am sinnbildhaftesten verkörpert.

Ein wahrlich europäisches Programm!

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